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Endokrinologie

Hypothyreose: Diagnose

Hypothyreose
Synonyme: Schilddrüsenunterfunktion, Myxödem

Definitionen

Hypothyreose: unzureichende Schilddrüsenhormonversorgung der Körperzellen
Kretinismus: angeborenes Syndrom durch prä- und perinatalen Schilddrüsenhormonmangel mit mentaler Retardation, Schwerhörigkeit bis Taubheit, Minderwuchs, Gesichtsdeformitäten
Myxödem (selten verwendete Bezeichnung): schwere Hypothyreose oder Hypothyreose mit Komplikation, z.B. Koma, Bezeichnung bezieht sich vor allem auf die dermatologischen Auswirkungen.

Klassifikation

Zeitpunkt des Auftretens: angeboren/erworben
Sitz der verantwortlichen Störung: primär/sekundär/tertiär (zentral)
Schweregrad: latent (T4 normal) – manifest – schwer (auch T3 erniedrigt)

Epidemiologie

Häufige Erkrankung, Anstieg der Prävalenz mit dem Lebensalter (>65a über 10% erhöhtes TSH), häufiger bei Frauen
Eine zentrale Hypothyreose ist tausendmal seltener als eine primäre Hypothyreose, daher Screening auf Hypothyreose durch TSH-Bestimmung möglich (ideal TSH plus fT4 Bestimmung)

Symptome

Meist schleichende Entwicklung über Jahre. Ein großer Teil der Patienten ist asymptomatisch!
Kälteempfindlichkeit, Heiserkeit, Gewichtszunahme, Schwäche, Belastungsdyspnoe, Schwellungen im Gesicht und an den Extremitäten, Obstipation, trockene, kühle Haut, Haarausfall, Zyklusstörungen und Infertilität
Antriebsstörungen bis Depression, Müdigkeit, Lethargie, Gedächtnisstörungen
Gelenk- und Muskelschmerzen, PNP (Karpaltunnelsyndrom)
Hypercholesterinämie, Hyponatriämie, Hyperprolaktinämie, CK-Anstieg
Im Extremfall Myxödem-Koma (besser hypothyreotes Koma): Koma bei vorbestehender schwerer Hypothyreose bei zusätzlicher Stresssituation (Erkrankung).

Ursachen

Primäre Hypothyreose

 

Hormonproduktion der Schilddrüse unzureichend

 

1. Autoimmunthyreoiditis

 

weitaus häufigste Ursache in Österreich. Frauen siebenmal häufiger betroffen. Diffuse lymphozytäre Infiltration der Schilddrüse mit oder ohne Struma (atrophe Form bei uns viel häufiger). Siehe Thyreoiditis.
In 60-95% der Fälle Schilddrüsenperoxidase (TPO)-Antikörper erhöht, echoarmes inhomogenes Echomuster in der Schilddrüsensonographie. Vorkommen häufiger bei Vorliegen anderer Autoimmunerkrankungen (Typ-1-Diabetes, Morbus Addison, prämature Ovarialinsuffizienz, Zöliakie, atrophe Gastritis und Vitiligo.

 

2. Frühere Schilddrüsenoperation, Bestrahlung, Radiojodtherapie

 

 

3. Passagere Hypothyreose

 

Nach passagerer Hyperthyreose im Rahmen einer subakuten Thyreoiditis de Quervain, einer „silent thyroiditis“ und einer Post-partum Thyreoiditis evtl. Interferon-alpha-Therapie (siehe Thyreoiditis).

 

4. Medikamente

 

Große Jodmengen (Amiodaron, v.a. bei vorbestehender Autoimmunität), bei Hämodialysepatienten
Lithium, Thalidomid, Thyrosinkinaseinhibitoren (Sunitinib), thyreostatische Therapie (Thiamazol, Prothiucil, Carbistad)!

 

Zentrale Hypothyreose

 

Sekundäre Form

 

(TSH-Produktion) des Hypophysenvorderlappens insuffizient bei normaler Schilddrüse
Hypophysenmakroadenome, bzw. nach ihrer Therapie (OP, Radiatio)

 

Tertiäre Form

 

Durch Erkrankung des Hypothalamus inadäquate Stimulation der Hypophyse durch TRH u.a. Kraniopharyngeome, Germinome, Sarkoidose, Hämochromatose, Trauma

 

Neonatale Hypothyreose

 

Irreversibel

 

Schilddrüsenfehlbildungen (Agenesie [Schilddrüse fehlt], Dysgenesie [Ektopie z.B. Zungengrund, Hypoplasie, z.B. Hemiagenesie])
Störungen der Schilddrüsenhormonbiosynthese (meist mit Struma)

 

Potenziell reversibel bzw. transient

Thyreostatikaeinnahme der Mutter

Jodmangel bzw. -überschuss (z.B. Betaisodona in Neonatalperiode)

 

Neugeborenenscreening (Tag 5), bei Bestätigung einer Hypothyreose sofort Therapiebeginn, wodurch Intelligenzdefekte und Wachstumsstörungen weitgehend verhindert werden können (cave: falsch negativer Befund möglich).

Diagnostik

Beruht hauptsächlich auf Laboruntersuchungen.

 

Primäre Hypothyreose

 

Durch normale TSH-Konzentration ausgeschlossen.
Durch erhöhtes TSH und erniedrigtes fT4 (oder Gesamt-T4 bei gleichzeitig normalem Thyroxin-bindendem Globulin [TBG]) nachgewiesen.
Latente Hypothyreose bei erhöhtem TSH, fT4 bzw. Gesamt-T4 im Normbereich
T3 nicht unbedingt hilfreich, nur bei schwererer Hypothyreose vermindert.
Typisches sonographisches Bild bei gleichzeitiger Hypothyreose pathognomonisch für Autoimmunthyreoiditis, TPO-Ak meist positiv Schilddrüsenszintigraphie nicht sinnvoll (außer bei Knoten >1cm im Ultraschall, Verdacht auf Ektopie bzw. gleichzeitige Autonomie).

 

Zentrale Hypothyreose

 

Basales TSH nicht hilfreich (kann normal, erniedrigt oder erhöht sein), Orientierung nur am fT4 (am Tag der Untersuchung Thyroxin nach Blutabnahme einnehmen)
Immer Bildgebung (Sellaregion-MR) und Ausschluss weiterer Insuffizienzen bzw. Überproduktion!
Überweisung an Spezialambulanz.

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Letztes Update:9 März, 2009 - 15:57